Am kommenden Wochenende feiert die Pfarrei Johannesberg ihr Kirchenpatrozinium "St. Johannes Enthauptung".
Und wenn man das so hört, dann könnte man meinen, dieser Gedenktag ist alles andere, als ein Grund zum feiern. Kann denn das Schicksal des Vorläufers Jesu nicht eher abschreckend sein? Hat er nicht bittere Stunden erlebt, in denen sein Einsatz vergeblich erschien? Johannes musste sein Eintreten für die Gebote Gottes mit seiner Freiheit und letztendlich mit seinem Tod bezahlen. Und was will uns das sagen:
Nein, hier kommt der Wille Gottes zur Sprache – ihm ist zu folgen, was immer auch geschehen mag.
Haben wir in Johannes nicht so einen Menschen? Er war es doch, der Jesus den Weg bereitete. Er war es doch, der den Menschen predigte, das in Jesus von Nazareth Gott mit seiner unumschränkten, liebenden, gerechten und richtenden Herrschaft vor der Tür stand und die musste- davon war er überzeugt- jeden Augenblick hereinbrechen.
Mit dieser Unbedingtheit gibt er dem Leben und Wirken eines wahrhaften Christen, also eines jeden einzelnen von uns einen Auftrag: Mach dich zum Aufbruch bereit! Wir müssen zu denen gehen, die uns brauchen. Warten wir nicht, bis sie zu uns kommen, sondern machen wir uns auf den Weg zu ihnen. Treten wir vor sie hin!
Was heißt das konkret? Wir müssen so reden und handeln, dass wir unsere Mitmenschen erreichen, dass wir auf ihrer Wellenlänge zu Gehör kommen. Nicht immer nur über den Ist-Zustand unserer Gemeindesituationen klagen und jammern, sondern aktiv werden; handeln, damit wir die Situationen unseres Umfelds erfassen, auf die Fragen und Nöte der Menschen reagieren, auf ihre Wünsche und Hoffnungen eingehen und ihnen die Wahrheit vermitteln, die sie gerade in ihrer persönlichen Lage nötig haben. Das bedeutet: Hören, was Gottes Mund sagt und unverkürzt, unverfälscht und glaubwürdig weitergeben, also mit Leben und mit unseren eigenen Erfahrungen gefüllt. Wer immer an Christus glaubt, ist berufen, ihn aktiv zu bekennen. Die Wahrheit, die er uns mitteilt, ist uns zum weiteren Mitteilen, ja zum Weitergeben, zum Weiterschenken anvertraut. Christ sein heißt also, verpflichtet zu sein, und zwar dem ganzen Menschen, ja der ganzen Welt.
Und hier kann uns dieser heutige Festtag helfen. Durch die Person Johannes wird uns deutlich gemacht: "Gott ist gnädig, er liebt uns. Gott hilft uns, er ist uns allen gnädig und er ist in allem gnädig."
Aber was ist dann mit Johannes, wird er nicht enthauptet? Wo ist der Herr in jener dunklen Stunde? Er ist bei ihm. Er stärkt ihn, er hilft ihm auf, er nimmt ihn auf. Er vollendet, was er in ihm begonnen hat. Er macht den Vorläufer des helfenden Jesus auch zum Vorläufer seines Leidens und Sterbens. Er ist gnädig mitten im Leben und im Sterben. Und so schenke er uns auf die Fürsprache des heiligen Johannes diese große Gabe unseres Glaubens; er gebe uns allen einen starken Glaubensmut, damit wir diese kraftspendende Wahrheit unentwegt und unverdrossen mitten in unserem Leben bezeugen.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihr Diakon Alexander Fuchs
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