Werke der Barmherzigkeit in unserer Zeit

Wenn Menschen, die vor hundert Jahren gelebt haben, uns heute reden hörten, dann würden sie ganz schön staunen. Die Sprache hat sich verändert. Viele Worte, die zu ihrer Zeit selbstverständlich waren, sind verschwunden, ganz andere sind in Mode gekommen. Zu den Worten, die verschwunden sind, gehört sicherlich das Wort „Barmherzigkeit“, um das es im Evangelium des Christkönigfestes geht. Außer in den biblischen Lesungen kommt das Wort in unserer Alltagssprache nicht mehr vor. Wer sagt schon noch: Sei doch barmherzig. Wenn überhaupt, dann sprechen wir von „Nachsicht“, „Rücksicht“, „Mitleid“ – aber nicht mehr von „Barmherzigkeit“. Das Wort von seinem Ursprung her meint: dass Not zu Herzen geht und deswegen Menschen bereit sind, etwas dagegen zu tun. Und diese Situationen, in denen sich Menschen aus eigener Kraft nicht mehr helfen können, gibt es nach wie vor. Nur haben sie in unserer Zeit und in unserem Land ein anderes Gesicht.

Ich habe Menschen vor Augen, die nach Leben hungern, nach Aufmerksamkeit, Zuneigung. Die innerlich verdursten, wenn niemand anfängt, mit ihnen zu reden. „Hungrige speisen“ und „Durstige tränken“ heißt heute: sich anderen Menschen zuwenden.

Fremde aufnehmen ist auch in unserer Zeit ein aktuelles politisches Thema. Schon Kinder spüren in den Klassenzimmern, wie schwer es ist, wenn ein Kind in eine fremde Klasse kommt und niemanden kennt. Wie schwer ist es da, Kontakt aufzunehmen und reinzukommen. Und wehe, wenn dann niemand sich erbarmt, den ersten Schritt macht, zu fragen anfängt, sich neben hin setzt, eine Einladung zum Spielen ausspricht. Wo das geschieht, da geschieht das Werk der Barmherzigkeit.

„Nackt“ und „ausgezogen“ kommen sich viele vor: wenn sie von anderen ausgelacht werden, wenn sie einen Fehler gemacht haben und dauernd auf ihnen herum gehackt wird, wenn sie gehänselt und bloßgestellt werden. Hier heißt es: Schwächen in Liebe zudecken. Auch die positiven Seiten eines Bloßgestellten sehen und zur Sprache bringen.

Wir wissen auch, dass es nicht leicht ist, jemanden, der schwer krank ist, im Krankenhaus zu besuchen. Wie schwer es ist, durch die Tür von einem Alten- oder Pflegeheim zu gehen, wenn einen nur leere Gesichter anstarren und einem oft ein strenger Geruch entgegenkommt. „Kranke besuchen“, das kann auch aktuell werden, wenn Menschen alt sind und nicht überall mitmachen können. Die Frage ist: Stelle ich mich dann auf sie ein, suche ich nach Wegen, wie sie vielleicht doch einbezogen werden können?

„Gefangene“, die auf einen Besuch warten, gibt es nicht nur in den Gefängnissen. Immer mehr Menschen sind in sich selbst gefangen, trauen sich nicht, auf andere zuzugehen. Welch ein Segen sind da Menschen, die sie ansprechen, die sie anrufen, die fragen: Kommst du nicht mit? Gefangene besuchen heißt dann in erster Linie: Verschlossene aufschließen.
Anderen sich zuwenden – Fremde aufnehmen – Schwächen in Liebe zudecken – Gehandikapte beteiligen – Verschlossene aufschließen.

Wenn wir versuchen, so barmherzig zu sein, dann gehen wir mit anderen Augen durch die Welt. Dann fällt uns auf, wo Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung auf fremde Hilfe angewiesen sind. Und wir werden auch angeregt, nach Wegen zu suchen, wie Hilfe aussehen und Not ein Stück weit gelindert werden kann.

Einen gesegneten Christkönigsonntag wünscht
Ihr Diakon Alexander Fuchs
  




Besucher heute: 29
Aufrufe der Seite http://www.pfarrei-glattbach.de/20_11_2011_Christkoenig.2403.0.html heute: 2

Besucher gestern: 219
Aufrufe der Seite http://www.pfarrei-glattbach.de/20_11_2011_Christkoenig.2403.0.html gestern: 5

Tägliche Besucher (Durchschnitt letzte 30 Tage): 225,00
Tägliche Aufrufe der Seite http://www.pfarrei-glattbach.de/20_11_2011_Christkoenig.2403.0.html (Durchschnitt letzte 30 Tage): 5,13

Sie sind hier:  
>
Pfarrei Glattbach 
>
Wort zum Sonntag 
>
20.11.2011 - Christkönig

Glattbacher
Home  |  Impressum  |  Seite drucken
Suche: