Der Josefstyp

Der 4. Advent stellt uns einen Mann vor Augen, der eine Entscheidung treffen muss. Nicht: Was kochen wir denn heute? Schnitzel oder Fisch? Nein, der Mann, der am Sonntag im Evangelium entscheiden muss, der weiß genau: Diese Entscheidung betrifft die Leben zweier Menschen. Da geht es um die Beziehung zwischen Josef und Maria. Es geht um Beieinanderbleiben oder Trennung.

Dieser Mann namens Josef reagiert zunächst fremd gesteuert. Er spürt den Druck der jüdischen Gesellschaft: Er fragt sich: Was tut ein Mann, der wie ich verlobt ist, d.h. nach damaligem Recht: Der Heiratsvertrag ist unterschrieben – und der merkt: seine Frau ist von einem anderen schwanger. Ein Mann, der etwas auf sich hält, bringt das vors Gericht.

Aber Josef entscheidet sich gegen diesen Weg. Er möchte Maria nicht öffentlich bloßstellen. Er will Maria in aller Stille entlassen. Und hofft, sie wird schon einen Weg finden, und er selbst wird schon darüber hinwegkommen, über eine enttäuschte Liebe.

Aber dann kommt noch etwas dazwischen: die göttliche Stimme im Unbewussten. Im Traum hört er den Auftrag: "Josef, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen!" Das stellt seine Entscheidung nochmals in Frage: Solltest du nicht zu diesem Menschen stehen, egal was passiert ist, auch wenn die anderen dich dumm anschauen?

Und Josef wird wach für das, was für ihn stimmig ist. Er geht einen ungewöhnlichen Weg, kommt zu einer anderen Lösung des Konflikts, als ihn die Gesellschaft vorschlägt. Er bleibt bei Maria und steht zum Kind. Er ist ein Mensch, der sich nicht von außen steuern lässt, sondern seiner Innensteuerung vertraut.

Solche Menschen sind ein Segen. Denn solche Menschen spielen nicht, sind ehrlich zu sich selbst, machen ihr Handeln nicht abhängig vom Lob und Tadel anderer. Solche Menschen sind ein Segen: Denn Frauen und Männer nach dem Kaliber eines Josef können auch durch die eigene gewachsene Entschiedenheit anderen ein Stück Sicherheit und Verlässlichkeit schenken. Bei denen weißt du, wie du dran bist.

Wer von uns sehnt sich nicht danach, solche Josefstypen am Arbeitsplatz, in der Familie, im Freundeskreis unter sich zu haben? Wer von uns sehnt sich nicht danach, ein solcher Josefstyp zu werden oder zu sein?

Einen gesegneten 4. Advents-Sonntag wünscht im Namen des Seelsorgeteams
Ihr Diakon Alexander Fuchs




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