2. Sonntag im Jahreskreis

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben."

Dieser Text von Hermann Hesse wird oft zitiert. Wir alle kennen diesen Zauber eines Anfangs, den Zauber des Anfangs einer jungen Liebe, den Zauber des Beginns eines neuen Lebensabschnittes, den Zauber des Antritts einer neuen Stelle, den Zauber einer neuen Aufgabe. Wir wissen, welche ungeahnten Kräfte dieser Zauber eines neuen Anfangs mobilisieren kann, wie Menschen sich am Anfang reinknien, um neue Ideen zu verwirklichen, sich für nichts zu schade sind, nicht nach Stunden fragen und mit Elan und Optimismus ihre neuen Aufgaben angehen.

Aber auch das kennen wir: Wie schnell erlahmt die Anfangsbegeisterung. Wie schnell erweist sich der Wille, die Welt umzukrempeln als Strohfeuer. Anstatt immer mehr an Erfahrung zu gewinnen und zu einer immer besseren Form aufzulaufen, geht langsam aber sicher die Puste aus. Anstatt immer mehr Spaß und Freude an der Arbeit zu haben wird der Einsatz und die Energie immer weniger. Anstatt mit Begeisterung am Ball bleiben geht einem die Luft aus.

Auf diesem Hintergrund unserer Erfahrung fordert das Evangelium vom Sonntag zum Nachdenken. Es erzählt auch von einem großen Anfang, vom Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu. Da erfahren wir von Johannes dem Täufer, woran er diesen Jesus unter den vielen Menschen, die zu ihm kommen, erkennt: „Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem heiligen Geist tauft.“ Das Kennzeichen Jesu ist nicht nur, dass der Geist sich auf ihn niederlässt, sondern dass er auf ihm bleibt. Das Gütesiegel dieses Jesus ist die Beständigkeit, die stetige Verbindung mit Gott, das „Dran-Bleiben“ an ihm.

Wenn wir dann Menschen sehen, die jahrelang große Verantwortung tragen und trotz großer Belastungen und auch vieler Enttäuschungen nicht vorschnell das Handtuch werfen; wenn wir an Frauen und Männer denken, die sich für eine Sache einsetzen, von deren Wichtigkeit sie überzeugt sind, die aber wenig Interesse in der Öffentlichkeit findet, und trotzdem nicht müde werden; wenn wir Ehepartner beobachten, die trotz manchem Auf und Ab in ihrer Beziehung immer wieder durchhalten; wenn wir an den Kranken denken, der trotz Schmerzen und größter Einschränkungen sein Leben bejahen kann, wenn wir an Eltern denken, die von ihren Kindern enttäuscht wurden oder an Kinder, die sich von ihren Eltern einfach im Stich gelassen fühlten, und die dennoch die Beziehung zueinander nicht abbrechen lassen wollen, da können wir getrost behaupten, dass der Geist Gottes auch heute noch zu erahnen ist, dass er auf einen Menschen herabkommt und auf ihm bleibt.

Mit dieser Zuversicht wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag
Ihr Diakon Alexander Fuchs




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16.01.2011 - 2. Sonntag im Jahreskreis

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