Im Evangelium vom Sonntag empören sich die Pharisäer und Schriftgelehrten darüber, dass Zöllner und Sünder zu Jesus kommen und sogar Tischgemeinschaft mit ihnen hält. Jesus spricht zu ihnen in Gleichnissen von der Freude Gottes über den Menschen, der erkennt, was seinem Leben nicht dienlich ist und von der barmherzigen Liebe des Vaters.
Der jüngere Sohn
Ein Mann hatte zwei Söhne...
Der jüngere Sohn will selbständig und unabhängig sein. Er lässt sich sein Erbteil auszahlen. Er will frei und ungebunden sein. "Wenn ich fortgehe, alles hinter mir lasse" - so denkt er, wird es möglich sein, endlich auf eigenen Füßen zu stehen. Er packt zusammen und zieht weg vom Vater, weit weg von Zuhause in eine ungewisse Zukunft. Zunächst genießt er diesen Lebensstil in vollen Zügen. Er verschwendet sein Geld mit seinen angeblichen Freunden.
Es wird immer schlimmer und am Ende muss er sich jemanden aufdrängen, um wenigstens das Notwendigste zu bekommen. Der erhoffte Weg ins Leben führt ihn zunächst an den Rand der Kräfte.
Erst da beginnt er innezuhalten und nachzudenken. Erst da erinnert er sich seiner Geschichte, seiner Herkunft, an seine Wurzeln. Und plötzlich taucht der wieder auf, von dem er sich abgewandt hatte: der Vater.
In ihm die Frage: "Wird er mich als Tagelöhner aufnehmen?"
Der Vater
Wie der Vater wirklich ist, das erfährt er erst jetzt auf seinem Weg zurück. Der Sohn ist überwältigt von der Offenheit, der Wärme und der Liebe, die ihm entgegenkommt.
Der ältere Sohn
Der ältere Sohn dagegen war sein ganzes Leben lang daheim. Er ist auf dem Feld und verrichtet seine Arbeit. Er verstößt nicht gegen aufgestellte Normen, lässt sich nichts zuschulden kommen. Obwohl er immer beim Vater war, hat er ihn nicht wirklich gekannt, denn die Rückkehr des Bruders trifft ihn tief. Er versteht den Vater nicht.
Mir kommt es vor, als bricht ein Vulkan aus, der schon lange im Herzen des älteren Sohnes gebrodelt hat: Sein Pochen auf eigene Leistung, die lähmende Angst, zu kurz zu kommen, sein zorniges Vergleichen... Alles kommt heraus. Der Vater hört ihm zu, lässt den Sohn so sein.
Zwei Söhne, deren Anteile ich auch in mir trage:
Ungebunden, frei und unabhängig sein -
keine Verantwortung übernehmen zu wollen,
von sich selbst und der je eigenen Realität davonlaufen zu wollen
oder nicht ehrlich und richtig leben und zeigen, was in mir alles lebt - aus Angst vor der Wahrheit...
Ein Mann hatte zwei Söhne...-
zwei Söhne, rein äußerlich auf total verschiedenen Wegen mit unterschiedlichen Charakteren, zwei Söhne, innerlich aber sehr ähnlich auf ihrem Weg weg vom Vater.
Vom Wesen des Vaters können wir nur etwas erahnen, von seiner Sorge und von seinem Handeln. Er steht zu den beiden. Er rechnet nicht ab, sondern er ermöglicht einen neuen Schritt hinein in das Leben. Er verschenkt sich ganz und öffnet die Arme.
Und dieses Gleichnis erzählt Jesus, um damit deutlich zu machen, was Gott und was ihm wichtig ist:
Gott wartet auf jeden Menschen - geduldig, barmherzig, mit offenen Armen.
Gott fühlt sich hinein in die Not eines Menschen, die ihn wegschauen und weggehen lässt.
Gott, der auch auf mich wartet.
Gott als der barmherzige Vater in dem Gleichnis.
Gott als der barmherzige Vater, der seine beiden Söhne kennt und ihnen seine Liebe zeigt und schenkt.
Zwei Söhne, die mich einladen, mich zu suchen auf ihren Wegen...
Zwei Söhne, die mich einladen, mich finden zu lassen
von dem, der mich schon von weitem kommen sieht...
von dem, der auch zu mir sagt: "mein Kind",
von dem, der mit seiner unendlich barmherzigen Liebe auch auf mich wartet.
Einen gesegneten Sonntag wünscht im Namen des Seelsorgeteams
Ihr Diakon Alexander Fuchs
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