Im Evangelium des kommenden Sonntags hören wir von der Begegnung Jesu mit einem Beerdigungszug. Eine Frau, die bereits ihren Mann verloren hat, beklagt nun auch noch den Tod ihres einzigen Sohnes. Jesus macht keinen Bogen um sie, er schottet sich nicht ab und sucht keine Ausflüchte. Er geht vielmehr auf diese Frau zu und tröstet sie: „Weine nicht!“ Und dann zeigt er ihr, dass er Macht sogar über den Tod besitzt: Er erweckt den Toten wieder zum Leben und gibt ihn seiner Mutter zurück.
Was aber kann dieser Text für uns heute bedeuten? Er ist geeignet, unseren Glauben an Gott zu stärken, der das Leben selbst ist. Dadurch gewinnt ferner unsere Hoffnung wieder festen Grund, unsere Hoffnung auf ein Leben jenseits des Todes. Vor allem aber werden wir zu tätiger Liebe ermutigt, konkret zum Mitleid: Das Leid und die Trauer der anderen sollen uns zu Herzen gehen, wir sollen für ihren Schmerz unsere Augen öffnen und nicht wegschauen.
Das heutige Evangelium könnte die Überschrift tragen: „Der Herr hatte Mitleid.“ Sein Mitleid war so groß, dass er etwas tat, was eigentlich erst Ostern geschehen sollte. Aber Jesus konnte angesichts seines übergroßen Mitleides nicht so lange warten.
Dieses Mitleid Jesu können wir uns zum Beispiel nehmen. Aber das ist gar nicht so leicht. Man möchte keine Fehler machen und kein falsches Wort sagen. Darum schweigen wir so oft und meiden auch Trauernde. Aber für diese ist es dann doppelt schlimm, müssen sie dann doch denken, dass sie in dieser Lebensphase auch noch von ihren Nächsten verlassen sind.
Anteilnahme ist darum eine Kunst, denn die vielen gut gemeinten Worte sind schon tausendmal zur Phrase erstarrt, und viele sind da sehr empfindlich und wollen solche Worte nicht hören. Aber andererseits: Wer diese schwierige Lage mit einem trauernden Menschen aushält und Anteil nimmt, der übernimmt eine wichtige Aufgabe. Er trägt Leid mit und er hält denjenigen den Himmel offen, für die sich gerade alles verschlossen hat, für die, die an nichts mehr glauben und auf nichts mehr hoffen können. Der Trost eines Freundes kann hier die Rettung sein, sein Mitleid das einzige Licht.
Einen gesegneten Sonntag wünscht im Namen des Seelsorgeteams
Ihr Diakon Alexander Fuchs
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